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Gesprächsführung

Einen Gesprächsleitfaden schreiben, der nicht nach Skript klingt

Jeder kennt den Anruf, bei dem nach zwei Sätzen klar ist, dass jemand abliest. Die Betonung stimmt nicht, die Pausen sind falsch, auf Zwischenfragen kommt der nächste Absatz. Der Kunde legt auf, und das Team bekommt einen neuen, noch längeren Leitfaden. Dabei liegt das Problem selten an zu wenig Text, sondern an zu viel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Leitfaden gibt Reihenfolge und Kernfragen vor. Die Worte findet der Mensch am Telefon selbst.
  • Wörtlich gehören nur Pflichtangaben hinein, etwa Konditionen und rechtliche Hinweise.
  • Ein guter Leitfaden trifft eine Vorauswahl, damit der Agent beraten kann statt zu suchen.
  • Der Einstieg wird am häufigsten überarbeitet. In den ersten Tagen täglich, danach wöchentlich.

Geländer statt Drehbuch

Ein Skript schreibt jeden Satz vor. Ein Leitfaden gibt die Richtung vor. Der Unterschied ist am Telefon sofort hörbar. Wer abliest, hört nicht zu. Wer einem Leitfaden folgt, kann auf den Kunden eingehen und weiß trotzdem, wohin das Gespräch soll.

Das heißt nicht, dass ein Leitfaden vage sein darf. Er legt klar fest, in welcher Reihenfolge die Themen kommen, welche Fragen gestellt werden und welche Angaben wörtlich gemacht werden müssen. Alles andere bleibt den Menschen am Telefon.

Aufbau eines Gesprächsleitfadens in fünf Teilen. Einstieg, Kernfragen, höchstens zwei passende Angebote, Einwände mit Rückfrage und Antwort, Abschluss mit Zusammenfassung.

Was hineingehört und was nicht

Gehört in den LeitfadenGehört in die Wissensdatenbank
Einstieg mit Name, Auftraggeber und AnlassAusführliche Produktbeschreibungen
Die drei bis fünf wichtigsten FragenAntworten auf seltene Detailfragen
Ein oder zwei passende AngeboteDie vollständige Preisliste
Die häufigsten Einwände mit RückfrageTechnische Anleitungen
Pflichtsätze zu Konditionen und WiderrufsrechtInterne Abläufe und Ansprechpartner
Zusammenfassung und AbschlussHistorie früherer Aktionen

Ein Leitfaden, der auf ein bis zwei Seiten passt, wird gelesen und verinnerlicht. Einer mit fünfzehn Seiten wird beim Start einmal durchgeblättert und dann ignoriert.

Der Einstieg entscheidet

Die ersten beiden Sätze bestimmen, ob der Kunde zuhört. Deshalb wird kein Teil des Leitfadens so oft umgebaut. In unserem Projekt mit Print-Abonnenten haben wir den Einstieg im Verlauf dreimal verändert (Fallstudie Print zu Digital).

Am besten funktionierte schließlich eine einfache Reihenfolge. Zuerst, wer anruft und in wessen Auftrag. Erst danach das Thema. Wer nicht weiß, wer am Telefon ist, ist mit seinen Gedanken bei dieser Frage und hört nicht richtig zu.

So kann ein Einstieg klingen

Agent
Guten Tag, Herr Sommer. Hier ist Maria Klein, ich rufe im Auftrag Ihrer Tageszeitung an.
Kunde
Ja?
Agent
Ihr Zustellbezirk wird im Frühjahr zusammengelegt. Ich möchte Ihnen kurz erklären, was das für Sie bedeutet und welche Möglichkeiten Sie haben. Passt es gerade für fünf Minuten?

Wer anruft, in wessen Auftrag, warum gerade jetzt, und eine Frage nach der Zeit. Namen und Beispiel sind zur Veranschaulichung erfunden.

Weniger Auswahl, mehr Abschlüsse

Viele Leitfäden enthalten zu viele Angebote. Der Agent muss im Gespräch eine lange Liste im Kopf haben und überlegen, welches passt. Währenddessen hört er nicht zu. Und der Kunde bekommt drei, vier Varianten vorgestellt und entscheidet sich für keine.

Aus unseren Projekten

In einem Projekt standen 18 verschiedene Angebote zur Auswahl. Die Agents verloren Zeit mit Suchen, die im Verkauf fehlte. Ein digitaler Leitfaden fragt jetzt im Gespräch wenige Eckdaten ab, etwa Nutzung und aktuelles Produkt, und zeigt die zwei passenden Angebote. Nach sechs Wochen standen 315 Abschlüsse bei einer Abschlussquote von 21 % (Fallstudie 18 Angebote, ein Leitfaden).

Kennzahlen zum digitalen Leitfaden. Von 18 auf 2 passende Angebote pro Gespräch, 21 Prozent Abschlussquote, 315 Abschlüsse nach sechs Wochen.

Ein Nebeneffekt war mindestens so wichtig wie die Quote. Was angeboten werden darf, ist im Leitfaden hinterlegt. Unzulässige Angebote sind gar nicht erst möglich. Das schützt den Auftraggeber vor Zusagen, die er nicht einhalten kann.

So schreiben Sie den Leitfaden

  1. Mit echten Gesprächen beginnen Hören Sie zehn Gespräche an, bevor Sie eine Zeile schreiben. Wie reden Ihre Kunden, was fragen sie?
  2. In Stichworten schreiben Kurze Sätze, keine Absätze. Wer im Gespräch einen Absatz lesen muss, verliert den Faden.
  3. Fragen ausformulieren Gute Fragen sind die Ausnahme von der Stichwortregel. Hier zählt jedes Wort.
  4. Pflichtsätze markieren Was wörtlich gesagt werden muss, ist farbig hervorgehoben.
  5. Mit dem Team testen Rollenspiele mit vertauschten Rollen zeigen schnell, welche Sätze nicht funktionieren.
  6. Freigeben lassen Der Auftraggeber prüft Inhalte, Angebote und Pflichtangaben vor dem Start.

Ein Leitfaden ist nie fertig

Der erste Entwurf ist eine Hypothese. Erst die echten Gespräche zeigen, was funktioniert. Im Projekt Print zu Digital wurde der Leitfaden anfangs täglich, später wöchentlich nachgeschärft.

  • Hören Sie Aufzeichnungen an und notieren Sie, an welcher Stelle Gespräche abbrechen.
  • Übernehmen Sie Formulierungen von Agents, die besonders gut ankommen.
  • Ergänzen Sie neue Einwände sofort mit Rückfrage und Antwort.
  • Datieren Sie jede Änderung. Nur so sehen Sie an den Zahlen, ob sie gewirkt hat.
Praxistipp

Führen Sie für den Leitfaden ein kurzes Änderungsprotokoll mit Datum, Änderung und Grund. Nach vier Wochen wissen Sie genau, welche Änderung die Quote bewegt hat und welche nicht.

Typische Fehler

  • Den Leitfaden am Schreibtisch schreiben, ohne je ein echtes Gespräch gehört zu haben.
  • Mit einer langen Vorstellung des eigenen Unternehmens beginnen.
  • Alle Angebote aufnehmen, damit nichts fehlt.
  • Konditionen nur im Kleingedruckten statt als Pflichtsatz im Gespräch.
  • Den Leitfaden nach dem Start nie wieder anfassen.

Ihr Leitfaden auf einen Blick

  • Passt auf ein bis zwei Seiten
  • Einstieg nennt zuerst, wer anruft und in wessen Auftrag
  • Höchstens zwei Angebote pro Gespräch
  • Die häufigsten Einwände mit Rückfrage
  • Pflichtsätze klar markiert
  • Änderungsprotokoll mit Datum

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Gesprächsleitfaden sein?

Ein bis zwei Seiten reichen für die meisten Telefonaktionen. Alles, was darüber hinausgeht, gehört in eine Wissensdatenbank, in der der Agent bei Bedarf nachschlagen kann.

Wer sollte den Leitfaden schreiben?

Am besten gemeinsam. Der Auftraggeber kennt Produkt, Regeln und Pflichtangaben. Die Menschen am Telefon kennen die Kunden und wissen, welche Sätze funktionieren. Ein Leitfaden, den beide Seiten freigegeben haben, trägt am weitesten.

Wie oft sollte man den Leitfaden ändern?

In den ersten Tagen einer neuen Aktion täglich, danach wöchentlich. Ändern Sie möglichst eine Sache auf einmal. So sehen Sie, was gewirkt hat.

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Veröffentlicht am von Emmanouil Athanassakis. Zuletzt geprüft am .

Über den Autor

Emmanouil Athanassakis
Gründer & Geschäftsführer

Hat ContactXpert 2023 in Mönchengladbach gegründet und führt das Unternehmen. Er schreibt über Vertrieb am Telefon, die Arbeit mit Bestandskunden und die Rettung von Kündigern.

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